Achillias Blog
 
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Ich stecke fest
Es geht mal wieder um meinen beruflichen Frust. Seit Ende Juni bin ich ja in einer neuen Firma. Die Leute sind nett, blabla. Aber ich habe ein Gefühl im Bauch - wobei hier der Bauch vom Hals weg geht - wie ein riesiger Klumpen, den ich verschluckt habe. Ich bin einerseits fassungslos, wie eine Firma seit Jahrzehnten SO arbeitet und andererseits echt müde. Warum regt mich das überhaupt auf? Andere gehen am Morgen in die Arbeit, arbeiten, gehen am Abend nach Hause und habe sich keine Sekunde aufgeregt. Ich koche (vor Wut) täglich in der Arbeit und bin jeden Tag ein Stückchen näher an einer Explosion. Diese Abteilung kommt mir vor, wie ein schlechter Film. Manchmal denke ich wirklich, ob da eine versteckte Kamera ist, weil ich sowas nicht für möglich gehalten habe. Die Mitarbeiter sind hier 50% damit beschäftigt, selbstauferlegte Arbeiten zu erledigen, die weder notwendig noch irgendwie sinnvoll sind. Sie machen ihnen noch nicht mal Spass oder so, es ist einfach so, wie es ist und wenn man sie auf konkrete Fälle aufmerksam macht (dh. in meinem Fall total nett und freundlich fragt ;-)), dann kommen Antworten, wie: "das lässt sich nicht vermeiden" -> Ja ist klar, es ist schon wichtig, dass man jeden Zettel zigfach kopiert, in jedem Ordner versteckt und zwar nach einem selbst ausgedachten System, was man erstmal lernen muss. KEIN Aussenstehender kann in der Buchhaltung irgendwas finden. Ausgangsrechnungen sind nicht einfach Ausgangsrechnungen. Ne, die werden nach - was auch immer - getrennt, verschiedene Nummernkreise vergeben, manche werden kopiert, andere nicht und wieder andere etwas öfters und dann kommen die in 4 komplett verschiedene Ordner. In dem Ordner "nummerisch" sind nicht etwa alle Ausgangsrechnungen nummerisch abgelegt. Ne, das wäre ja viiiiel zu einfach. In einem der nicht-nummerischen Ordner werden Rechnungen nummerisch abgelegt, die von einer bestimmten Person gemacht wurden. (DAS ist das Kriterium, hab' ich schon rausgefunden). Das sind so Kleinigkeiten, die mich echt in den Wahnsinn treiben. Solche Missstände halten einfach auf. Wenn irgendwas nicht stimmt oder ich kurz was wissen will über eine Rechnung und ich dafür normalerweise 30 Sekunden brauche, um eine vernünftig abgelegte Rechnung zu finden, muss ich erstmal 5 Minuten in den Schrank starren, um die verschiednen Ordner rauszusuchen und dann muss ich in jeden einzelnen gucken, ob da sowas ähnliches drinnen ist. Oder ich frage die Kollegin, die das "System" vor 100 Jahren erfunden hat. Ich kriege dabei allerdings Wutflecken im Gesicht und wenn sie das bemerkt und meint "das kann ich auch nicht ändern" oder "das ist besser so" (Im Bezug auf diese Art der Ablage), dann spüre ich echt ein Magengeschwür wachsen. Wie könnte ich da anders, als auszurasten? Bisher ist das nicht passiert, aber viel fehlt nicht mehr.

Was soll ich jetzt machen? Ich halte das 100% nicht mehr lange aus. Entweder ich raste aus, was ich echt vermeiden möchte, die Damen sind ja schon gestresst, wenn man mal nicht gerade ein Happyface auf hat -> Und das ist mir schon lange vergangen. Das heisst ich kann mir jetzt meinen *nachzähl* 9 Job seitdem ich vor ziemlich genau 8 Jahren angefangen habe zu arbeiten (Ausbildung nicht mitgezählt) suchen? DAS kann doch nicht wahr sein :-(

Natürlich habe ich schon den Verdacht, dass es an mir liegt. Meinen Mann würde sowas überhaupt nicht stören. Dem ist das egal. Solange das Geld stimmt. Aber mir ist das nicht egal. Es ist für mich ein Gefühl, hm, wie wenn in einem Restaurant "reiche"(normale) Kinder sitzen, die sich eine riesen Portion Pommes und Schnitzel bestellen, obwohl sie keinen Hunger haben. Davon essen sie dann zwei Bissen und den Rest muss das Restaurant entsorgen. Während dem draussen Strassenkinder verhungern. Ich habe erlebt, wie sich Leute den Arsch aufreissen und echte Leistung bringen - umsonst. Und die bladen Weiber wissen nicht, was sie für ein Glück haben und vor lauter Fad im Schädel erfinden sie unnötige Arbeiten, die nicht mal einer einfachen Nachfrage standhalten.

Also wirklich, was soll ich jetzt machen? Ich habe noch ein befristetes Dienstverhältnis bis Ende September. Soll ich das einfach auslaufen lassen und mir was Neues suchen? Der Job wäre ja sicher. Zu sicher, sonst hätte ich ja noch die Hoffnung, dass es bald nötig wird den Leuten genauer auf die Finger zu schauen, was sie so unnötiges machen den ganzen Tag. *grmpf*

Ich habe mir ja schon überlegt, ob ich ein fettes Zeitungsinserat machen sollte mit meinen Wünschen und was ich biete. Im Jobpilot hätte ich spontan einige interessante Stellen gefunden, aber es läuft ja doch immer auf das selbe hinaus: LANGWEILIG! Dh. ich müsste meinen Hintern hoch kriegen und nochmals in die Schule. Nur welche? In Österreich kommt es nicht auf den Abschluss an (da nicht staatlich), sondern auf die Schule. Da gibt es nur eine, die einigermassen was zählt. Mich ärgert aber, dass man dort hingehen muss, ich bin mehr der Typ, der selbst lernt mit den nötigen Lehrmitteln. Mal abgesehen davon, dass der Mist ja auch noch Geld kostet. UND: Ich weiss nicht mal, was ich da machen sollte, der Bilanzbuchhalter wäre nicht schlecht, aber im Prinzip lerne ich da nichts, was ich nicht jetzt schon längst kann und auch gemacht habe. Für eine theoretische Bestätigung mag ich eigentlich nicht die Schulbank drücken. Aber was sonst? Die Richtung muss bleiben, ich mag nur Buchhaltung, Controlling, IT und Organisation, Verkauf, Backoffice und sowas interessiert mich überhaupt nicht. Wäre also total Planlos, was ich überhaupt für ne weiterführende Schule/Ausbildung machen sollte. Ich möchte doch nur arbeiten, ohne dass ich einen dicken Klumpen mit mir rumtragen muss, sei's weil die Firma an der Pleite rummacht, oder weil die Firma Mitarbeiter beschäftigt, die vor lauter Fad nicht mehr wissen, was sie noch für Mist erfinden sollen (und dabei natürlich noch Überstunden machen, versteht sich ja von selbst). Eine Kollegin macht wissentlich jeden Tag eine halbe Stunde etwas Unnötiges (sie trägt manuell in ein Schulheft irgendwelche Kontenbewegungen ein, die man sowieso im System sieht, wenn die Bank gebucht ist und das wird immer gleich erledigt). Auf die Frage, warum sie das macht, wenn wir ja keine Zeit haben (2 Minuten nachdem sie über die Überstunden gejammert hat) "soviel Zeit muss sein". Ehrlich, würde das irgendwen nicht nerven? Mir platzt da fast der Kragen, ich ersticke fast, wenn mir das jemand so ins Gesicht sagt. Ich bin auch jetzt wieder fassungslos, wenn ich mich an dieses "Gespräch" erinnere.

Also eine weitere Möglichkeit wäre - wie mein letzter Chef es gerne gehabt hätte - dass ich mit meinem Chef rede. Ich finde das ja immer super unangenehm. Ich möchte ja meine Kolleginnen nicht bloss stellen oder anschwärzen, aber wie kann ich die Situation erklären, ohne die Kolleginnen einzubeziehen? Sie sind nunmal das Problem, wenn sie nicht wären, gäbe es keine Probleme. Die Arbeit wäre ok und es wäre wahnsinnig viel Potential, damit man die Leute sinnvoll beschäftigen kann, mit etwas anspruchsvolleren Aufgaben, als sinnlose Ablagesysteme auszuhecken. Aber ich befürchte, dass sie das einfach nicht mehr wollen. Und wie kommt das denn wieder rüber? Keine zwei Monate in der Firma und schon wieder am rumstänkern (wobei ich das auch schon nach der ersten Woche hätte machen können). Geduld ist echt nicht meine Stärke, aber auf was soll ich warten? Soll ich schnell schwanger werden? O.o Es wäre ja die Gelegenheit, da würde es mir nicht mal leid tun und die Firma kann sich das auch leisten. Wer sich so ne Misswirtschaft leisten kann... Wenn ich jetzt wieder was Neues suche, dann kann ich das ja nochmals verschieben, vorallem, wenn ich wieder was Neues suche, dann will ich ein paar Probetage. Weil theoretisch klingt mein aktueller Job nach meinem Traumjob, aber wenn ich nur 2 Tage mit denen gehabt hätte, hätte ich gewusst, dass das nicht das ist, was ich mir darunter vorgestellt habe. Unter "lernwilligen" Kollegen, stelle ich mir was anderes vor, sorry. Und genau als das, wurden sie mir "verkauft". Ganz konkret habe ich den job, etwas "Leben" reinzubringen, also Abläufe zu optimieren usw., aber wie soll das gehen, es gibt absolut keine Basis und vorallem keinen Rückhalt. Ich bin ja hierarchisch nicht über meinen Kolleginnen, so dass ich ihnen verbieten könnte, so einen Mist zu werkeln. Und der Chef macht sich rar, ich glaube er ist froh, wenn er sich den Sumpf nicht anschauen muss. Er müsste auf den Tisch hauen und erstmal Überstunden verbieten, die sind nämlich absolut unnötig. Oh man, ich weiss echt nicht mehr weiter. >.<

Vielleicht sollte ich mich (wieder) selbständig machen. Als Bösewicht auf Bestellung oder so. Mein Traumjob: Buchhaltungsabteilungen säubern, also Abläufe effizienter machen und wenns läuft, geh' ich wieder. Das wärs. Na mal sehen, vielleicht stürzt ja der Flieger nach Istanbul ab, dann bräuchte ich mir nicht mehr den Kopf über sowas zerbrechen.

Achja: ich fliege nun definitiv nach Istanbul zu Eyestar und zwar am 17/09/07 (bis 21/09/07). Am 24/09/07 werde ich dann (vielleicht *lol*) wieder arbeiten. LG, Achillia
16.8.07 23:40
 


bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Kathi S. (17.8.07 08:21)
Liebe Achillia,

nur mal so ein Gedanke: Wenn es Dein Job ist, Abläufe zu optimieren und frischen Wind rein zu bringen, dann ist das eigentlich Dein Job Dich gelegentlich mit wem anzulegen. Also wenn man irgendwo was verändern muss, dann muss man doch damit rechnen, Schwierigkeiten zu bekommen. So wie Du das beschreibst haben sie Dich extra dafür geholt.
Wie Du das jetzt am besten umsetzt (gleich zum Chef gehen oder nicht), davon hab ich jetzt auch keine Vorstellung. Ich würde die Problematik ins Forum bringen. Da sind einige ziemlich kompetente Frauen drin (ist mir bei anderen Jobproblemen schon aufgefallen). Dort haben sie sicher Ideen.

Liebe Grüße

Kathi


Achillia (17.8.07 15:51)
Huhu Kathi,
naja, eigentlich(!) habe ich einen ganz normalen Buchhalterjob. Aber beim Vorstellungsgespräch kam schon deutlich durch, dass sich der Chef auch weniger Mist wünscht. Ich hätte keine Probleme damit, etwas einfach durchzusetzen, aber dazu fehlt mir schlicht die Befugnis. Ich zeige denen wie es einfacher geht und manchmal klappt das sogar und sie machens dann so. Aber viele Sachen machen sie lieber umständlich, als effizient (sonst könnte man ja nicht mehr über den Stress jammern oder so). Aber das mit dem Forum ist eine gute Idee, werde ich heute Abend gleich mal machen ^^. Danke Dir :-)

LG
Achillia

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